In Rumänien wurden bis zum Aufkommen industrieller Farbstoffe + noch lange danach die Fäden für traditionelle Textilien wie Schürzen, Volkstrachtenhemden, Fote, Teppiche, Decken + andere Gewebe mit aus Pflanzen gewonnenen Farben gefärbt. Diese Verfahren sind heute weitgehend verschwunden, nur wenige Bäuerinnen verwenden noch Pflanzen zur Herstellung von Farbstoffen. Im Laufe der Zeit wurden diese pflanzlichen Farbstoffe durch chemische Handelsfarben ersetzt.

Anfangs gab es nur wenige Farben: Weiß, Schwarz, Schwarzbraun, schönes Gelb (pastellartiger) + dunkles Rot. Später kamen Blau, Lila + Grün (durch Kombination von Gelb + Blau) hinzu. Diese Farben waren kräftig + dunkel.

Später nahmen die Frauen Pflanzen aus der Natur, kochten sie, mischten sie, fügten Fixiermittel hinzu + erhielten so eine große Palette an Pastellfarben zum Färben von Garnen + Geweben aus Wolle, Hanf, Seide usw. Die Färberezepte bestanden meist aus Pflanzensuden, die durch Beigabe von Beizen auf den Fasern fixiert wurden.

Die natürlichen Farben wurden aus allen Teilen der Pflanze gewonnen: Wurzel, Stängel, Rinde, Knospen, Blätter, Blüten, Früchte. Nur frisch gesammeltes Material ergab intensive Farben. Eine Ausnahme bildete die Rinde der Schwarzerle (Alnus glutinosa), die erst ein Jahr nach der Ernte verwendet werden musste.

Im Frühling wurden Rinden + Schalen gesammelt, im Sommer Früchte, Blätter + Blüten, jede Pflanze hatte ihren optimalen Zeitpunkt. Im Herbst wurden die Wurzeln gesammelt. So entstanden Frühlingsfarben (aus Rinden + Schalen), Sommerfarben (aus Früchten, Blättern, Blüten + krautigen Stängeln – reichhaltig + intensiv) + Herbstfarben (aus Wurzeln – blasser + weniger intensiv).


Färbetechniken + verwendete Beizmittel

  1. In einem Kessel wurde das Ausgangsmaterial eingelegt, mit kochendem Wasser übergossen + über Nacht in einem warmen Raum stehen gelassen. Am nächsten Tag war die Flüssigkeit gebrauchsfertig.

  2. Eine andere Methode war, die Pflanzen zu kochen + dann die Fasern darin zu mazerieren, bevor sie erneut gekocht wurden. Die Kochzeit variierte je nach gewünschter Farbe, von 15–20 Minuten bis zu mehreren Stunden. Von der Kochdauer hingen die Farben + Nuancen ab. Um unterschiedliche Schattierungen zu erhalten, war manchmal ein erneutes Kochen der Fäden notwendig.

Die Haltbarkeit + Intensität der erhaltenen Farbe wurde durch die Qualität der verwendeten Materialien, deren Menge, Kombinationen mit anderen Pflanzen + die Verarbeitungszeit (Mazeration oder Kochen) bestimmt. Je länger die Pflanzen gekocht wurden, desto intensiver wurde die Farbe. Nach Erreichen des gewünschten Tons durch längeres Kochen oder Zugabe anderer Pflanzenkombinationen war es zwingend erforderlich, die Farbe zu fixieren. Die bekanntesten Beizmittel sind Essig, Salz, Eisensulfat.


A. Gelbe Farbe

  1. Drobita (Genista tinctoria) – Kochen von Zweigen mit Blüten + Blättern, gemischt mit Alaun (Potassium alum), ergab ein zitronengelbes Ergebnis. Die Fasern wurden 12 Stunden in dieser Lösung belassen + anschließend in Lauge (aus gekochter Holzasche) gespült.

  2. Rötliches Gelb – durch Eintauchen der Fäden zuerst in Bors (fermentiertes Kleiewasser) + dann in Drobitessenz.

  3. Gelb aus der Rinde des Wildapfels (Malus sylvestris), gekocht + mit Alaun vermischt.

  4. Gelb aus Drobita (Genista tinctoria) + Rinde des Wildapfels (Malus sylvestris).

  5. Weidenknospen (Salix) + Alaun – goldgelb. Blätter + Rinde des Blutweiderichs (Lythrum salicaria) + Alaun – zitronengelb.

  6. Weidenzweige (Salix) + Blutweiderich (Lythrum salicaria) – dunkleres Gelb.

  7. Birkenblätter (Betula), im Herbst gesammelt, getrocknet + zerrieben + Alaun – sonnen- + waschbeständiges Gelb.

  8. Birkenrinde (Betula), in saurem Bors gekocht – dunkles Gelb.

  9. Fermentierte Tabakblätter (Nicotiana tabacum) + Alaun – Ölfarbe.

  10. Schwarzerlenrinde (Alnus glutinosa) – ziegelgelb.

  11. Wolfsmilch (Euphorbia) + Alaun – wachsgelb oder grünlichgelb. Weitere Quellen: Maulbeerblätter (Morus nigra), Kirschpflaume (Prunus cerasifera), Birkenrinde (Pyrus communis), Holunderblätter (Sambucus nigra), Zwiebelschalen (Allium cepa), Ampferwurzeln (Rumex patientia), Johanniskrautblüten (Hypericum perforatum), Weinblätter (Vitis vinifera), Brennnessel (Urtica dioica), Mistel (Viscum album), Löwenzahn (Taraxacum officinale), Krokusblüten (Crocus).

Genista tinctoria – traditionelle Pflanze zur Gewinnung der gelben Farbe in der rumänischen Volkstracht.

        Genista tinctoria – natürliche Quelle für Gelb in traditionellen rumänischen Textilien.

B. Orange

Fäden, die zuerst in Bors gekocht + dann in den Farbstoff aus Punkt 6 (Weide + Blutweiderich) getaucht + mit Lauge gewaschen wurden, ergaben Orange.


C. Blaue Farbe

  1. Flieder (Syringa vulgaris) + Alaun + Lauge + Fettwasser (erstes Wollwaschwasser) + Bors – Blautöne.

  2. Indigo (Indigofera tinctoria) + Molke + Alaun + Lauge – schönes Blau.

  3. Blaustern (Scilla bifolia) + Alaun – hellblau.

  4. Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) + Krokus (Crocus) + Molke, fixiert mit Essig, Salz oder Eisensulfat, außerdem Thymianblätter (Thymus serpyllum), Maulbeeren (Morus nigra), Holunderbeeren (Sambucus) – intensives Blau.


D. Grüne Farbe

  1. Birkenblätter (Betula) + Alaun oder Moosbeere (Oxycoccus quadripetalus) + Fettwasser – grün.

  2. Drobita (Genista tinctoria) + Färberwaid (Isatis tinctoria) + Bors – schönes Grün.

  3. Walnussblätter (Juglans regia) + Erlenrinde (Alnus) + Alaun – olivgrün.

  4. Flieder (Syringa vulgaris) + Drobita (Genista tinctoria) + Alaun + Fettwasser – hellgrün.

  5. Grün durch Kombination gelber Pflanzen mit blauen Pflanzen + fixiert mit Salz, Essig oder Eisensulfat.


E. Rote Farbe

  1. Blätter + Blüten des Wildapfels (Malus sylvestris) – von hellem bis dunklem Rot.

  2. Saure Apfelrinde (Malus sylvestris) + Oregano (Origanum vulgare) – blutrot. Mit Lauge – dunkles Rot.

  3. Oregano (Origanum vulgare) + Kornelkirsche (Cornus mas) + Feldthymian (Thymus serpyllum) – schönes Rot.

  4. Krappwurzel (Rubia tinctorum) + Bors + Alaun – intensives Rot.

  5. Pflaumenrinde (Prunus domestica) + Lauge + Erle (Alnus) + Oregano – verschiedene Rottöne.

  6. Sauerampfer (Rumex acetosa) + Alaun – rosarot.

  7. Kermesbeere (Phytolacca decandra) + Zinn + Salpetersäure – feuerrot.

  8. Bitterorange (Citrus aurantium) + Oregano (Origanum vulgare) + Kermesbeere (Phytolacca decandra) + Salpetersäure + Zinn – hellkarmesinrot oder kirschrot.

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F. Schwarze Farbe

  1. Erle (Alnus glutinosa) + Eisensulfat, allein oder mit Alaun + Salz – schwarz.

  2. Grüne Walnussschale (Juglans regia) + Eisensulfat oder Lauge – schönes Schwarz.

  3. Oregano (Origanum vulgare) + Erle (Alnus glutinosa) + Lauge + Eisensulfat – reines Schwarz.

  4. Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus), Holunder (Sambucus nigra), Kirschpflaume (Prunus cerasifera), Eiche (Quercus robur), Kornelkirsche (Cornus mas), Traubeneiche (Quercus petraea), Sanddorn (Hippophae rhamnoides) – verschiedene Schwarztöne.

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G. Braune Farbe

  1. Walnussblätter (Juglans regia) + Ampfer (Rumex patientia) + Alaun – licht- + waschbeständiges Braun.

  2. Grüne Walnussschale (Juglans regia) + Bors + Alaun – schönes Braun.

Diese natürlichen Farben, mit Geduld + Geschick aus Pflanzen gewonnen, bereicherten die rumänische Volkstracht über Jahrhunderte. Sie bleiben ein lebendiges Zeugnis der engen Verbindung zwischen Mensch + Natur und bewahren die Authentizität + Schönheit der traditionellen Textilien.

Bearbeiteter Text nach Ecaterina Tomida – Die Nähte + Stickereien der rumänischen Volkstracht